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Wilhelm Petersen (1890–1957) (This site is also available in English.)

Wilhelm PetersenWilhelm Petersen gehört zu den Komponisten des 20. Jahrhunderts, die abseits der Avantgarde ihren eigenen Weg verfolgten. Zwar begleitete er den revolutionären Aufbruch des Expressionismus mit Einsicht in die Notwendigkeit neu zu entwickelnder Ausdrucksformen, fand aber um 1925 nach einer experimentellen Phase am Rande der Tonalität zu einer tonal zentrierten und formal geklärten Tonsprache. Die im tradierten Material noch schlummernden Entwicklungsmöglichkeiten interessierten ihn, wobei der ethische Anspruch seines Komponierens sich an der großen sinfonischen Tradition des 19. Jahrhunderts orientierte. Dabei ging es Petersen weniger um Wiederbelebung eines romantischen Subjektivismus, sondern um Verwesentlichung der Tonsprache durch Besinnung auf das, was er »musikalische Urqualitäten« nannte.

Knüpfen seine ersten drei mit Opuszahlen versehenen Werke an die symphonische Tradition vor allem Brucknerscher Prägung an, versuchte Wilhelm Petersen in einer kurzen Phase intensiven Schaffens von 1919 bis 1924 sich mit der zeitgenössischen Musiksprache auseinanderzusetzen. Von diesen stark dissonierenden, freilich niemals die Tonalität verlassenden Werke mit stark polyphoner Faktur beließ Petersen jedoch nur seine 2. Symphonie op. 4, das Streichquartett op. 8 und ein Werk für Violine und Klavier op. 11 in ihrer ursprünglicher Gestalt, während andere Werke dieser Phase entweder umgearbeitet oder ganz aus dem Werkverzeichnis herausgenommen wurden. Die Werke nach der »Umrichtung des Schaffens« um 1925, wie Petersen es nannte, spiegeln das Bestreben des Komponisten, »den persönlichen Ausdruck gegenüber objektiver Gestaltung zurücktreten zu lassen«. Ein wiedergewonnenes Verhältnis zu einer individuell erweiterten Harmonik wurde bestimmend: »Tonalität als formbauende Kraft gewann wieder Bedeutung für mich, Chromatik und hochgesteigerte Linearität wurden zugunsten einer klareren Klangform vereinfacht.«

Nach erfolgreichen Uraufführungen seiner ersten beiden Symphonien zu Beginn der Zwanziger Jahre hatte Petersens Namen in Deutschland einen guten Klang. Sein kompositorisches Können und die Wahrhaftigkeit seiner Aussage wurden nie bezweifelt; freilich fand man ihn abseits der geschichtsträchtigen Richtungen. So zählen zu den wenigen Höhepunkten seines öffentlichen Wirkens die Uraufführungen seiner Großen Messe op. 27 unter Karl Böhm (1930) und seiner Oper Der Goldne Topf (1941).

Die 1972 gegründete Wilhelm-Petersen-Gesellschaft e.V. in Darmstadt fördert das Werk des Komponisten durch Konzerte, Publikationen, die Drucklegung von Noten und die Einspielung auf Tonträger.    Wolfgang Mechsner

Zeittafel zurück

1890 Geboren in Athen.
Ab 1891 mit der Familie in Darmstadt.
1908 bis 1911 Studium in München (Germanistik, Philosophie; Komposition bei Friedrich Klose und Rudolf Louis, Dirigieren bei Felix Mottl). Enger Kontakt zum Kreis um Stefan George und Karl Wolfskehl. Eigene Dichtungen.
1911 Erste Kompositionen
1913 bis 1914 Volontierender Kapellmeister unter Furtwängler in Lübeck.
1918 Musikschriftstellerische Arbeiten in München.
1921 UA der I. Symphonie c-Moll op. 3 beim Tonkünstlerfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins in Nürnberg.
1923 Übersiedlung nach Darmstadt. UA der II. Symphonie Es-Dur op. 4 beim Tonkünstlerfest des ADMV in Kassel.
1926 Georg-Büchner-Preis des Hessischen Staates.
ab 1927 Dozent an der Städtischen Akademie für Tonkunst in Darmstadt.
1930 UA der Großen Messe op. 27 unter Karl Böhm in Darmstadt.
ab 1935 Professur an der Hochschule für Musik in Mannheim.
1941 UA der Oper Der Goldne Topf in Darmstadt.
1943 Übersiedlung nach Heidelberg.
ab 1951 Aufnahme einer stundenweisen Lehrtätigkeit an der wiedereröffneten Musikhochschule in Mannheim.
1953 Rückkehr nach Darmstadt. Aufgabe der Lehrtätigkeit aus Krankheitsgründen.
1957 Gestorben in Darmstadt.

Werkverzeichnis zurück

op. 1 Symphonische Fantasie für großes Orchester
op. 2 Eine Trauermusik für großes Orchester
op. 3 1. Symphonie c-MolI
op. 4 2. Symphonie Es-Dur über den Choral Christ ist erstanden
op. 5 Sinfonietta für Streichorchester G-Dur
op. 6 1. Sonate für Violine und Klavier d-Moll
op. 7 Hymne nach Texten von Novalis für Sopran und Orchester (verloren)
op. 8 1. Streichquartett
op. 9 Thema und Variationen für Klavier c-Moll
op. 10 2. Streichquartett
op. 11 Präludium und Fuge für Violine und Klavier
op. 12 Wunderhorn-Lieder für Singstimme und Klavier
op. 13 Drei Oden nach Klopstock für Baßbariton und Klavier
op. 14 Fünf Gesänge nach alten Dichtungen für A-cappella-Chor
op. 15 Vier A-cappella-Chöre nach Gedichten von Spervogel (12. Jahrhundert)
op. 16 Sechs A-cappella-Chöre nach Gedichten von C. F. Meyer
op. 17 Vier A-cappella-Chöre nach Gedichten von Morgenstern
op. 18 Vier A-cappella-Chöre nach Gedichten aus Wegzehrung von Albert Steffen
op. 19 Sieben Lieder aus dem Siebenten Ring von Stefan George für mittlere Stimme und Klavier
op. 20 Fünf Gesänge nach Hölderlin und George für mittlere Stimme und Klavier
op. 21 Urworte. Orphisch von J. W. v. Goethe für A-cappella-Chor
op. 22 2. Sonate für Violine und Klavier h-Moll
op. 23 Chinesisch-deutsche Jahres- und Tageszeiten (Goethe) für mittlere Stimme und Klavier
op. 24 Bühnenmusik zu Der Tod des Empedokles (Hölderlin)
op. 25 Hymne für Chor und Orchester (frei nach dem Bekenntnis aus Des Knaben Wunderhorn)
op. 26 Drei Barocklieder von Christian Weise und Paul Fleming für Singstimme und Klavier
op. 27 Große Messe für Soli, Chor und Orchester
op. 28 Die Spürhunde (Sophokles) Bühnenmusik (verloren)
op. 29 Die Vögel (Aristophanes) Bühnenmusik
op. 30 3. Symphonie cis-Moll
op. 31 Fünf Lieder von Friedrich Hebbel für Singstimme und Klavier
op. 32 Sechs Lieder (Eichendorff) für hohe Stimme und Klavier
op. 33 4. Symphonie D-Dur
op. 34 Von edler Art. Kantate nach alten Weisen für gemischten Chor und kleines Orchester
op. 35 Vier geistliche Gesänge nach alten Melodien für gemischten Chor und kleines Orchester
op. 36 Symphonische Variationen für Orchester (verloren)
op. 37 Vier kleine Stücke für Violine und Klavier
op. 38 Vier Miniaturen für Violine und Klavier
op. 39 Thema, Verwandlungen und Fuge für großes Orchester
op. 40 Goethe-Lieder für hohe Stimme und Klavier
op. 41 Vier Lieder (Christian Morgenstern) für hohe Stimme und Klavier
op. 42 Klavierquartett c-Moll
op. 43 3. Sonate für Violine und Klavier c-Moll
op. 44 Der alte Garten. 2. Folge der Eichendorff-Lieder für Gesang und Klavier
op. 45 Sechs Gesänge nach Texten von Claudius, Hölderlin, George, Lenau, Trakl für mittlere Stimme und Klavier
op. 46 Neun Lieder aus Shakespeares Dramen für Gesang und Klavier
op. 47 Suite für Klavier b-Moll
op. 48 Thema und Variationen für Klavier d-Moll op. 49
op. 49 3. Streichquartett e-Moll
op. 50 Variationen über ein Lied des Königs Thibaut von Navarra für Klavier
op. 51 Suite für Klavier d-Moll
op. 52 Neun Miniaturen für Klavier
op. 53 2. Suite für Klavier c-Moll
op. posth. 1 5. Symphonie d-Moll
op. posth. 2 Metamorphosen für Klavier und Orchester
op. posth. 3 Konzert für Klavier und Orchester c-Moll
op. posth. 4 Konzert für Violine und Orchester d-Moll
op. posth. 5 Suite für Orchester g-Moll
op. posth. 6 Suite für Orchester C-Dur
op. posth. 7 Suite für Orchester a-Moll
op. posth. 8 Suite für Orchester d-Moll
op. posth. 9 An die Jugend der Welt für 3stimmigen Chor, Klavier und kleines Orchester (Text von Maria Massa-Georgi)
op. posth. 10 Drei Lieder nach Texten von Mombert, Hille und Mörike für Gesang und Klavier
op. posth. 11 Bekenntnis (18. Jahrhundert) für 4-8stimmigen A-cappella-Chor
op. posth. 12 Variationen für Streichorchester
o. Opus 1 Musik zu Shakespeares Macbeth
o. Opus 2 Der Goldne Topf. Oper in drei Aufzügen - frei nach E. T .A. Hoffmann.
o. Opus 3 Musik für Orchester in zwei Sätzen
o. Opus 4 Präludium für Klavier

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